20.11.2011

Zittersieg gegen Frankfurt vor Rekordkulisse

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Vor 6.185 Zuschauern ringen die Basketballer des FC Bayern die FRAPORT SKYLINERS aus Frankfurt mit 58:57 (27:27) nieder und bleiben damit in der Festung Audi Dome weiter ungeschlagen.

Nach dem überzeugenden Eurocup-Auftakt gegen Benetton Basket kamen an diesem Sonntagnachmittag so viele Fans in den Audi Dome wie nie zuvor - erstmals konnte bei einem Beko BBL-Spiel die Marke von 6.000 Zuschauern überschritten werden, und die Basketballbegeisterten kamen in den Genuss einer hochdramatischen Begegnung mit dem glücklicheren Ende für die Heimmannschaft, die somit Tabellenplatz 7 in der Beko BBL belegt.

Robin Benzing erzielte mittels eines Drei-Punkte-Wurfs die ersten Zähler für die Bayern, wenig später legte Je'Kel Foster gleich einen Dreier nach (6:2). Die Defensive der Roten ging bissig zu Werke und zwang die Frankfurter zu Fehlern. Den 8:2-Zwischenstand nach rund drei Minuten hämmerte Kapitän Steffen Hamann per Dunking mit der linken Hand in den Korb der Gäste. Beim Stand von 12:7 gelang beiden Teams mehrere Minuten kein Korberfolg, doch sehr zur Freude der Bayern-Fans traf Jan Jagla einen Dreier, dem zwölf Sekunden vor der ersten Viertelpause Philipp Schwethelm einen weiteren folgen ließ, der vom Nationalspieler mit einer geballten Faust und einem Urschrei gefeiert wurde und gleichzeitig den vielversprechenden Spielstand von 19:9 nach dem Auftakt-Viertel markierte.

Die Zuschauer, die sich nun ein Davonziehen der Münchner erhofften, wurden allerdings enttäuscht, denn die Spieler von Coach Dirk Bauermann verloren ihren Rhythmus und ihre Treffsicherheit. Auf diese Weise witterten die Frankfurter Morgenluft und pirschten sich binnen drei Minuten bis auf zwei Punkte heran (19:17), ehe Chevon Troutman die Fans im Audi Dome erlöste und endlich den ersten Bayern-Korb im zweiten Viertel erzielte (21:17). Von nun an war das BBL-Spiel ein erbitterter und auf Biegen und Brechen geführter Kampf, in dem wenig später Nationalcenter Tim Ohlbrecht mit einem Tip-Dunk über Chevy Troutman den Ausgleich zum 21:21 herstellte und Dirk Bauermann zu einer Auszeit nötigte. Der Ball wollte aus den Händen der Bayern-Spieler selbst in aussichtsreichen Positionen nicht durch den Ring der Frankfurter fallen, in dieser Phase trafen wenigstens Jan Jagla und Robin Benzing ihre Freiwürfe, bevor beim Spielstand von 27:27 zur Halbzeitpause gebeten wurde.

Die Münchner Mannschaft kam aber nicht wie ausgewechselt aus der Kabine; sie tat sich einfach schwer an diesem Tag. Die Gäste aus der Mainmetropole nutzten dies natürlich eiskalt aus und eroberten die erste Führung (28:27). Den Rhythmus kann man verlieren, die Treffsicherheit auch - aber die Moral der Münchner war nach wie vor vorhanden, und jetzt wurde eben gekämpft bis zum Umfallen. Hier tat sich in dieser Phase des Spiels vor allem Chevon Troutman hervor, der dafür sorgte, dass man den Anschluss nicht verpasste, bevor Robin Benzing und wenig später Je'Kel Foster die Führung zurückholten. Center Chevy Troutman beging allerdings sein viertes Foul und wurde von Coach Bauermann auf die Bank beordert. Als noch knapp drei Minuten in diesem Viertel zu spielen waren, warf der Frankfurter Michael Thompson unmittelbar nacheinander zwei Dreier und brachte sein Team wieder deutlicher in Front (37:43). Bayern mühte sich, den Anschluss nicht zu verlieren, musste aber mit einem Fünf-Punkte-Rückstand in die letzte Viertelpause (44:49). Ein Münchner Fan raufte sich die Haare und rief: "Bayern trifft nix, Frankfurt alles."

Während der letzten zehn Spielminuten bot sich den Fans ein Krimi vom Feinsten, das Spiel befand sich permanent auf des Messers Schneide, die Spieler kämpften aufopferungsvoll, und die Fans unterstützten die Bayern mit einer noch nicht dagewesenen Lautstärke - der Audi Dome bebte. Bayern kam dank dieser Unterstützung wieder heran, verteidigte auf hohem Niveau und ließ kaum mehr Körbe der Frankfurter zu. Nach drei Minuten besorgte Je'Kel Foster die erneute Führung der Bayern, die sich die Gäste allerdings wieder zurückholten. Spannender konnte das Spiel kaum verlaufen: Führungswechsel und lange Minuten mit ausgeglichenem Punktekonto. 36 Sekunden vor dem Ende traf dann Je'Kel Foster den vermeintlich vorentscheidenden Dreier zum 58:55. 19 Sekunden vor der Schlusssirene traf der Frankfurter Jon Leuer und brachte sein Team bis auf einen Punkt heran (58:57), und wer wissen möchte, wie herrlich nervenaufreibend und dramatisch Basketball sein kann, muss sich nur diese letzten Sekunden des Spieles vor Augen führen: Frankfurt tat das einzig Richtige und foulte, um München an die Freiwurflinie zu bringen. Und tatsächlich: Sowohl Robin Benzing und Je'Kel Foster trafen zum Entsetzen der Bayern-Fans, deren Nerven in dieser Schlussphase gehörig strapaziert wurden, keinen einzigen ihrer jeweils zwei Freiwürfe. Zum Glück für die Bayern konnte der Ball aber immer wieder zurückerobert werden, allerdings entschied sich Jan Jagla nach einem Offensiv-Rebound für den Wurf und - legte ihn daneben. Auf diese Weise hatten die Frankfurter (noch vier Zehntelsekunden auf der Uhr) sogar noch die Chance auf einen letzten Wurf, doch Jon Leuer konnte den hohen Pass an den Korb nicht unter Kontrolle bringen - Sieg für Bayern!

Muli Katzurin, der Coach der Frankfurter, meinte nach dem Spiel: „Ich denke, wir haben gut gespielt, viele Minuten sogar besser als die Heimmannschaft. Leider haben wir auf der Zielgeraden ein paar Fehler gemacht - vor allem bei den Rebounds. Es war wirklich eine einmalige Situation, dass München vier Freiwürfe verworfen hat, mit denen sie das Spiel hätten früher gewinnen können. Wir haben es aber zwei Mal nicht geschafft, den Defensiv-Rebound zu holen, und haben es damit verpasst, das Spiel für uns zu entscheiden. Trotzdem bin ich sehr stolz auf meine Spieler. Ich denke, dass alle hart gekämpft haben, und wir werden uns auf das nächste Spiel konzentrieren. Gratulation an Coach Dirk Bauermann."

Bayern-Trainer Dirk Bauermann sagte: „Ich denke, man kann die Glückwunsche mit Recht zurückgeben. Frankfurt hat aus meiner Sicht das mit Abstand stärkste Saisonspiel hier abgeliefert. Sie haben uns sehr gut verteidigt, sie haben immer das Tempo kontrolliert, sie haben den Ball gut bewegt und haben auch mit großer Geduld gespielt. Insofern haben sie auch nach unserer deutlichen Führung im ersten Viertel gezeigt, dass sie auch die charakterliche Stärke besitzen, die man braucht, um sich in solchen Situationen wieder zurückzukämpfen. Man hat heute auch gesehen, wie verrückt Basketball ist. Wenn man vier Freiwürfe hintereinander verwirft, aber jedes Mal den Offensiv-Rebound bekommt, dann weiß man und merkt endgültig: Basketball ist keine Wissenschaft, sondern es ist ein Spiel. Man muss ehrlich sagen, dass wir heute die glücklichere Mannschaft waren. Trotzdem bin ich stolz auf die Mannschaft, denn es war eines der Spiele, bei dem es so aussah, als ob ein Deckel auf dem Korb war, und je härter du im Treibsand trittst, desto tiefer sinkst du. Und da die nötige Gelassenheit und Ruhe zu behalten, ist extrem schwierig, vor allem wenn man so sehr gewinnen will, wie es diese Mannschaft tut. Wir haben eine starke Mannschaft wie Frankfurt unter 60 Punkten gehalten. Es war ein verdienter Sieg, weil wir ihn uns mit harter Arbeit erworben haben. Trotzdem - ohne Frage - hätte Frankfurt einen Sieg heute genauso verdient wie wir."

Die Verschnaufpause für die Bayern fällt kurz aus. Bereits am Montag reist die Mannschaft zum zweiten Spiel der Eurocup-Gruppenphase nach Zagreb, bevor am kommenden Samstag um 20.05 Uhr das Knüller-Spiel gegen ALBA BERLIN auf dem Programm steht, das bereits nahezu ausverkauft ist.

Es spielten für den FC Bayern München: Je'Kel Foster (12 Punkte/2 Dreier), Philipp Schwethelm (11/2), Chevon Troutman (10), Robin Benzing (9/1), Steffen Hamann (8), Jan-Hendrik Jagla (8/1), Demond Greene, Darius Hall, Aleksandar Nadjfeji, Jonathan Wallace und Ben Hansbrough (dnp).

 

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